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Malteser Neu Ulm

Interview mit einem Gast von Johannes`Suppentreff

31.10.2019

Mein Namen ist Jürgen*, ich bin 65 Jahre und alleinstehend. Seit 1,5 Jahren wohne ich in einer kleinen Wohnung in Neu-Ulm. Zuvor wohnte ich ca. fünf Jahre im Obdachlosenheim in Neu-Ulm. Wenn man da wohnt, ist man gebrandmarkt. Dann ist es sehr schwer, wieder auf dem Wohnungsmarkt Fuß zu fassen. Dank eines sehr guten Sozialarbeiters habe ich dann endlich nach fünf Jahren die kleine Wohnung durch Nuwog beziehen können. Ich bin sehr froh, wieder meine eigenen vier Wände zu haben.

Früher habe ich als LKW-Fahrer gearbeitet. Vor sieben Jahren musste ich 55 Tage ins Gefängnis in Memmingen, weil ich sehr viele Straffzettel über längere Zeit nicht bezahlt hatte. Somit verlor ich die Arbeit und meine Wohnung, weil ich dem Vermieter nicht Bescheid sagte, dass ich längere Zeit weg sein musste. Nach dem Gefängnis übernachtete ich eine Nacht beim Roten Kreuz in Ulm. Da ich aber in Neu-Ulm gemeldet war, durfte ich da nicht bleiben, sondern musste in die Obdachlosen-unterkunft in Neu-Ulm. Dort sind sehr viele Drogen und Alkohol im Spiel. Während meiner Zeit dort, habe ich schon erlebt, wie vier bis fünf Leute wegen Drogen- und Alkoholkonsum gestorben sind.

Während dieser Zeit hatte ich das Glück, wieder eine Zeit lang als LKW-Fahrer arbeiten zu können. Leider wurde mein Führerschein wegen Geschwindigkeitsüberschreitung und Beamtenbeleidigung für ein halbes Jahr entzogen. Somit verlor ich natürlich wieder die Arbeit.

Seit ungefähr zwei Jahren bin ich in Rente. Mein Geld ist sehr knapp. Im Tafelladen bin ich durch einen Aushang auf den Suppentreff der Malteser aufmerksam geworden. Dort gehe ich nun gerne regelmäßig hin. Zum einen um Geld zu sparen, zum anderen um eine warme Mahlzeit zu bekommen. Ich mag auch, wenn ich mich mit den ehrenamtlichen Malteser-Helfern und manchen der anderen Gäste unterhalten kann. Wenn ich den ganzen Tag allein in der Wohnung bleiben würde, wäre es mir zu wenig Austausch mit anderen Menschen.

Nicht so gut finde ich es, wenn manche der Gäste keine Rücksicht auf andere Gäste nehmen und zu viel des Essens schnell wegessen, ohne an die anderen zu denken. Das versuchen die Malteser zwar zu vermeiden, aber es geht nicht immer. Es wäre aber schon toll, wenn es die Möglichkeit geben würde, das Angebot zu erweitern, dass es öfters im Monat stattfinden würde, aber es stehen ja nicht unbegrenzte Mittel zur Verfügung.

 

*Der Name wurde auf Wunsch geändert. Der richtige Name ist uns bekannt.

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