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Malteser Neu Ulm

Hilfe in schwierigen Zeiten - Malteser-Vespertüten für bedürftige Personen

04.05.2021

Es ist Mittwoch. Schon um 14.15 Uhr fangen die Leute an, vor der Malteser Dienststelle Platz zu nehmen. Um 15.00 Uhr stehen schon um die 25 Leute in der Schlange. Als es um 15.30 Uhr losgeht, haben sich über 40 Leute versammelt. Die Schlange ist sehr lang, weil die Leute auch den Mindestabstand zueinander einhalten müssen. Sie kommen zur Ausgabe der Vespertüten, die die Malteser obdachlosen und anderen finanziell bedürftigen Personen wöchentlich anbieten.

 

Irina Miller (Name geändert) ist eine der ungefähr 75 Vespertüten-Empfänger, die wöchentlich zu den Maltesern kommen. Frau Miller ist 73 Jahre alt und wohnt seit 28 Jahren in Neu-Ulm. Aufgewachsen ist sie in Sibirien. „Zwanzig Jahre arbeitete ich als Sekretärin, bevor wir nach Deutschland gingen. Die Arbeit habe ich sehr gerne gemacht“, so Frau Miller. „Als wir nach Deutschland kamen, fiel es mir sehr schwer, allein mit zwei kleinen Kindern Fuß zu fassen, und leider war die Arbeit hier als Sekretärin ganz anders als die Arbeit, die ich gewohnt war. So habe ich ein paar Jahre als Putzfrau gearbeitet, das ging aber irgendwann nicht mehr, weil ich ein Rückenproblem habe. Nach drei Jahren habe ich die Erwerbsunfähigkeitsrente genehmigt bekommen“.

 

Vor Corona besuchte Frau Miller jeden zweiten Mittwoch Johannes‘ Suppentreff bei den Maltesern in Neu-Ulm. „Das war so schön – wir haben sehr gutes warmes Essen bekommen, und haben miteinander reden können, manchmal haben wir auch gesungen. Dann gab es Kaffee und frisch gebackenen Kuchen. Das alles geht gar nicht mehr, ich vermisse es so, unter Leute zu kommen. Wenn wir auf die Vespertüten warten, können wir auch nicht so gescheit sprechen, weil wir die Mindestabstände einhalten müssen“.

 

Frau Miller ist alleinstehend und lebt von einer sehr kleinen Rente. „Ich kann mir keine Sprünge leisten, alle Ausgaben sind genaustens berechnet“. Deshalb kommt Frau Miller ein Mal der Woche zu den Maltesern, um eine Tüte mit Lebensmitteln zu bekommen. „Von dieser Tüte kann ich mindestens zwei Tage leben, und dann gibt es immer Sachen dabei, die ich mir sonst nie leisten könnte, zum Beispiel Obst, Honig und frischen Aufschnitt“. Dienststellenleiterin der Malteser in Neu-Ulm, Pia Eble, bestätigt dies. „Ja, wir versuchen, ganz frische und gute Sachen in die Tüten zu tun“, so Eble, „es ist nicht das Ziel, den Leuten Luxusartikel zu geben, aber es sollen frische Sachen sein, die eine gute Qualität haben. Obst und Gemüse sind uns sehr wichtig. Und es sollen Sachen sein, die gut satt machen.“

 

Dieser Dienst wird ermöglicht, weil viele ehrenamtliche Helfer wöchentlich helfen, die Lebensmittel einzukaufen und die Tüten zu packen und auszuhändigen. Für die Empfänger sind die Tüten kostenlos. Ihre Bedürftigkeit müssen sie mit der grünen Tafelladenkarte nachweisen. Finanziert werden die Tüten durch Spenden von Firmen, Privatleuten und Stiftungen, wie Kartei der Not. Darüber hinaus spenden auch manche Firmen frische Lebensmittel. „Ohne die Spenden in Form von Geld und Naturalien und ohne die ehrenamtlichen Helfer könnten wir diesen Dienst nicht anbieten. Wir erfahren eine große Hilfsbereitschaft“. Seit 15 Monaten ist die Bedürftigkeit aber auch stetig gestiegen. „Wenn am Anfang dieser Aktion im März 2020 fast nur ältere Leute kamen, haben wir jetzt auch mehrere bedürftige Familien. Manche der Familien haben Konkurs anmelden müssen mit ihrem kleinen Familienunternehmen, und warten auf die staatliche Unterstützung. Manche der Empfänger sind von einem Tag auf den anderen arbeitslos geworden und muss die Zeit überbrücken, bis sie finanzielle Hilfe bekommen. Die meisten Empfänger sind jedoch Rentner, die unabhängig von Corona wenig Geld zur Verfügung haben.“

 

Wenn Frau Miller ihre Vespertüte geholt hat, geht sie in ihre 2-Zimmer Wohnung unweit der Dienststelle heim und freut sich schon auf dem Heimweg darauf, zu sehen, was dieses Mal in der Tüte dabei ist. Heute gab es extra viel Obst und Gemüse: 1 Gurke, 250 g kleine Tomaten, 1 Orange, 1 Apfel, 1 Banane und 1 Kiwi. Zusammen mit den frischen Semmeln, dem Honig und der Marmelade, dem Käse, dem Aufschnitt und dem Bohneneintopf und noch ein paar Sachen wird sie auf jeden Fall wieder zwei Tage über die Runden kommen können.

 

Der Leitsatz der Malteser lautet „Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen“. „Mit unserer Vespertüten-Aktion“ wollen wir den bedürftigen Menschen helfen, aber natürlich auch unseren Glauben bezeugen, indem wir unseren Nächsten behandeln, wie Gott es von uns möchte, und wie als wenn Jesus vor uns stünde“, sagt Pia Eble.

 

So ist es der Plan der Malteser, die Vespertütenaktion weiter zu machen, bis es wieder erlaubt wird, Johannes‘ Suppentreff zu öffnen und die Leute wieder einzuladen, wo sie warmes Essen bekommen können. Die Vespertüten werden jeden Mittwoch ab 15.30 Uhr ausgegeben, solange Vorrat reicht. Die Aktion ist für Personen aus dem Landkreis Neu-Ulm mit Tafelladenkarte. Die Ausgabe findet an der Malteser-Dienststelle, Augsburger Str. 42, 89231 Neu-Ulm statt. Ab d. 26. Mai findet sie an der neuen Dienststelle statt: Donaustr. 33, 89231 Neu-Ulm.

 

Weitere Informationen

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